Immer wieder hört man, dass sich Sportler vor dem Spiel oder vor dem Training >tapen< lassen.
Reicht denn nicht ein Wickel oder ein Stützstrumpf?
Das Tapematerial ist ein selbstklebendes, nicht elastisches Pflasterband, mit dem insbesondere Gelenk und Bänderfunktionen gestützt werden. Wenn ein Spieler zum Beispiel mit dem Fuss seitlich umgeknickt ist, mag er in der ersten Zeit auch Ansätze dieser seitlichen Bewegung überhaupt nicht, weil die seitlichen Bänder dann auf Spannung kommen, was unter Umständen lästige Schmerzen entstehen lässt. Während die anderen Bewegungen seines Fußes, wie das Abrollen beim Laufen, schmerzfrei möglich sind. Wenn der Heilungszustand der vorherigen Verletzung also schon eine gewisse Belastung zulässt, geht es nur noch darum, gewisse seitliche Bewegungen so zu begrenzen, dass keine Schmerzen auftreten oder die in der Regeneration begriffenen Strukturen keinen extremen Belastungen ausgesetzt wird.
Und da greifen die Möglichkeiten des Tapematerials. Eine einfache Bandage gibt sicherlich eine gewisse Unterstützung, aber eine wirklichen Schutz bietet sie nicht. Da das Material elastisch ist und nicht fest mit dem Körper, also mit der Haut verbunden ist, sind extreme Bewegungen nach wie vor möglich.
Das Gelenk verrutscht in der Bandage oder der elastische Wickel.
Dass ist mit dem Tape NICHT möglich, denn er klebt direkt auf der Haut. Das Material ist NICHT elastisch und es gibt nicht nach. Das heißt, der Fuss passt noch in den Schuh. Die Kunst des Tapens besteht nun darin, die gewünschte Funktion zu unterstützen und die Bewegung nur dort einzuschränken, wo dieses auch gewünscht wird. Eine Bewegungseinschränkung bedeutet der Verband aber auf jeden Fall.
Zur Technik: Je mehr Material auf der Haut klebt, um so haltbarer ist das Ganze. Der MiniTape um den Knöchel ist zwar sehr unauffällig zu tragen, aber wenn zum Kleben der halbe Unterschenkel mitbenutzt wird, ist die Haltbarkeit deutlich besser. Der Verband soll ja auch bei starker Anstrengung mit extremer Schweissbildung halten!
Zuerst wird ein sogenannter Anker gesetzt, an dem die verschiedenen Tapezüge befestigt werden. Vorher ist es manchmal die Beine zu rasieren oder die Haare mit Hautkleber zu besprühen. Denn das Lösen eines gut sitzenden Tapeverbandes trägt sonst deutlich zur Stimmung in der Kabine bei. Nach dem die Züge alle liegen, werden diese wieder mit einem weiteren Streifen auf dem Anker befestigt. Wobei es in der Regel wichtig ist, KEINE Tapezüge zirkulär um eine Extremität zu legen, da sonst die Durchblutung abgeklemmt werden kann. Es empfiehlt sich immer eine kleine Lücke zu lassen, so dass der Verband nicht abschnüren kann.
Neben der direkten stützenden Wirkung eines Tapeverbandes, aber auch jeder anderen Wickel oder Bandage, kommt die sensorische Wirkung. Der straffe Druck um das Gelenk herum vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, dass den Bewegungsablauf verbessert. Der Druck der Bandage oder jeden anderen Verbandes lindert allein durch diesen mechanischen Reiz eventuelle Schmerzen und ist somit auf jeden Fall wirksam.
Ziel muss es sein, möglichst bald OHNE jegliche Wickel oder Bandagen Sport treiben zu können.
Ein gut funktionierender Schutz der Gelenke durch eine ausreichend trainierte Muskulatur ist auf jeden Fall besser als der passive Schutz eines Tapeverbandes. Wobei mit gut trainierter Muskulatur nicht nur die Kraft gemeint ist. Neben der Kraft sind Ausdauer, Geschicklichkeit und Reaktionsgeschwindigkeit mindestens genauso wichtig, wenn nicht wichtiger.
Initiale Therapie vor dem Tapen
Bei den Muskel-, Sehnen- und Kapsel-Band-Verletzungen kommt es durch die Zerreißung von Gefäßen zur Einblutung ins Gewebe, Hämatombildung und als Reaktion zur entzündlichen Schwellung und Ödembildung. Gewebedruck, Kinine und Prostaglandine bewirken eine zunehmende Schmerzhaftigkeit.
Die Heilung erfolgt stets in Form einer Narbenbildung. Traditionell gilt die Ruhigstellung als Garant für eine stabile narbige Ausheilung. Experimentelle Untersuchungen haben aber gezeigt, dass frühzeitige kontrollierte Bewegungen durch einen gerichteten, dosierten Belastungsreiz die Ausrichtung kollagener Narbenstrukturen und damit eine stabile Ausheilung fördern. Gleichzeitig werden negative Auswirkungen der Imobilisierung auf Weichteile, Knorpel und Knochen vermieden und der Gelenkeinsteifung begegnet. Allerdings ist abhängig von Ausmaß und Schwere der Verletzung sowie der Konstitution des Patienten eine mehr oder weniger lange initiale Ruhigstellung oft unumgänglich. Grundlage einer frühfunktionellen Behandlung ist der selektive Schutz verletzter Strukturen. Dies geschieht, indem die traumatisierte Region gestützt, entlastet und vor unkontrollierten, belastenden Bewegungen geschätzt wird, ohne funktionelle Belastungen im freien Bewegungssegment zu verhindern. Die genannten Anforderungen erfüllen funktionelle Verbände, z. B. in Form eines unelastischen Tape, der eine selektive Funktion erlaubt.
Der Begriff „Tapen“
'Tapen' ist ein anderer Begriff für 'funktionelle Verbandtechnik'. Mit diesem Begriff werden Verbände beschrieben, die durch Teilmobilisierung von Gelenken helfen, gewünschte Bewegungen auszuführen und andere (schmerzhafte) Bewegungen vermeiden.
Methode P E C H
Leider passiert es immer wieder.
Eine Sportverletzung !
In der Statistik liegt Fußball da gar nicht so schlecht. Es gibt andere Sportarten, die deutlich mehr Verletzungen mit sich bringen. Nur weil so viele Menschen Fußball spielen, gibt es auch viele Verletzungen, die beim Spiel oder im Training entstanden sind.
Wichtig ist dann die Erstversorgung. Denn jede Stunde die die Therapie später einsetzt, dauert es einen Tag länger bis zur Sportfähigkeit.
Was kann man also tun, wenn es zu einer solchen Verletzung gekommen ist?
Sofort den Krankenwagen holen oder gibt es noch weitere Möglichkeiten?
Bei Sportverletzungen gehen wir nach der Methode P E C H vor. Jeder Buchstabe steht für eine Massnahme.
P – für Pause
E – für Eis
C – für Kompresse
H – für Hochlagern
Pause
ist klar. Wer noch über den Platz rennt, kann nicht behandelt werden und ist in der Regel auch nicht behandlungsbedürftig.
Eis
steht für Kühlung jeder Art. Wobei das Eisspray eigentlich kein Mittel der Wahl ist. Bei der Kühlung sollen kurzfristig Schmerzen gelindert werden. Aber viel wichtiger ist, dass eine eventuelle Blutung ins Gelenk oder ins Gewebe so gering wie möglich gehalten wird. Dazusoll die Kälte lange einwirken bis der Körper durch seine eigenen blutstillenden Möglichkeiten eingreifen kann. Eine Blutung dauert ca. 1 bis 2 Stunden. Eiswasser. Mit einem Schwamm auf das entsprechenden Körperteil aufgebracht, wirkt da am Besten, da es auch durch Socken, Schuhe und andere Kleidungsstücke wirkt. Eispackungen oder Eislollys kommen auch in Frage.
Das Eisspray (siehe Artikel bei SPORT & VITAL unter TAPE) ist nur ein sehr kurzer Kältereiz, der mit ca. 5 – 7 Grad Minus auf die Haut trifft. Dadurch ist die schmerzlindernde Wirkung sehr gross. Unter Umständen geht dann jemand mit einer ernsthaften Verletzung doch wieder auf den Platz, weil er das sehr sinnvolle Warnzeichen SCHMERZ nicht spürt. Dazu kommt, dass ein kurzer Kältereiz die Durchblutung eher anreizt und nicht stillt.
VORSICHT bei der Dosierung mit Eisspray: Verbrennung durch Unterkühlung !!!
Kompresse
bedeutet straffes, aber nicht strammes Wickeln der Verletzten Partie mittels eines elastischen Wickels. Der Druck lindert Schmerzen und verhindert gleichzeitig zusätzlich eine stärke Blutung.
Der elastische Wickel ist das Mittel zur Ersten Hilfe, welches bei jedem Sportler in die Tasche gehört. Irgendwo ist immer ein Wasserhahn oder ein Bach mit kühlendem Wasser.
Nur eine Möglichkeit zur Kompression findet sich ohne einen solchen Wickel eher selten. Im Verbandskasten des Autos sind in der Regel nur einige Mullbinden. Mit einem elastischen Wickel kann man fast jede Sportverletzung in der Erstversorgung behandeln. Schürfwunden abdecken, Blutungen stillen, Schwellungen begrenzen, Risse oder Brüche fixieren etc.
Hochlagern
Unterstützt die vorherigen Massnahmen. Er unterstützt die Ruhestellung, verhindert zusätzlich eine stärkere Blutung und Schwellung. Die Durchblutung GEGEN die Schwerkraft ist nicht so gut wie MIT der Schwerkraft.
Als Test halten Sie doch einmal einen Arm 1 Minute nach oben und den anderen lassen Sie neben dem Körper hängen. Wenn Sie nach der 1 Minute beide Hände nebeneinander halten, können Sie anhand der Färbung der Haut sehr deutlich den Unterschied in der Durchblutung erkennen.
Wenn man nach der Methode PECH vorgeht, ist die Erstversorgung schon mal optimal gelaufen. In der Regel ist dann auch nach dem Auswärtsspiel genügend Zeit, um nicht fern der Heimat ins Krankenhaus gebracht zu werden. Zu Hause kann dann der Verletzte in Ruhe den Arzt seines Vertrauens aufsuchen, um die notwendige Diagnostik und Therapie einzuleiten. Wichtig ist natürlich das weitere Beobachten der Verletzung. Sollte die Schwellung trotz aller bisherigen Massnahmen nicht zu begrenzen sein, die Wickel lösen und weniger straff neu wickeln. Sofort den Arzt aufsuchen. Natürlich ist auch das weitere Verhalten wichtig. Wer aus lauter Frust über die Verletzung abends Alkohol trinkt, stellt damit die Arterien wieder weit und macht alle bisherigen Bemühungen zu Nichte..
Info: Muskelzerrung Muskelfaserriss Muskelriss
Symptome: Sofortiger, heftiger bis stechender Schmerz, Schwellung, kurzzeitige Dellenbildung, Bluterguss, Bewegungseinschränkung bis Bewegungsunfähigkeit
Wann zum Arzt? Sofort
Therapie: PECH - Regel sofort anwenden. Jede Minute zählt.
WICHTIG: Muskuläre Dysbalancen vermeiden. Vor Belastung immer gut aufwärmen. Muskelverletzungen immer richtig ausheilen.
Der Skelettmuskel besitzt eine hohe Regenerationsfähigkeit.
Der Körper beginnt sofort mit der Reparatur. Die abgerissenen Faserenden ziehen sich aus dem Gewebe des Verletzungsbereiches zurück und es kommt zur Einblutung. Die körpereigenen Abwehrmechanismen bestehen in einer entzündlichen Reaktion, Blutgerinnung und Resorption des ausgetretenen Blutes. Sie setzen sofort mit Verletzungsbeginn ein und bleiben die nächsten Stunden aktiv. Daher sollten weder aktive, passive Bewegungen, noch Massagen durchgeführt werde, um die Reparaturmassnahmen nicht zu beeinträchtigen oder schlimmstenfalls eine Nachblutung auszulösen.
Narbengewebe ist weniger dehnbar als Muskelfasern.
Bei der Wiederherstellung der Muskelverletzung spielen zwei gegenläufige Vorgänge eine Rolle, die Wiederherstellung der Muskelfasern (Regeneration) und die gleichzeitige Bildung von Narbengewebe. Die neugebildeten Fasern sind kürzer und enthalten weniger Bindegewebe. Deshalb führen ausgedehnte Narben zu einem Funktionsverlust des Muskels, weil die Kontraktionsfähigkeit des Muskels geringer ist. Im Muskel befinden sich Anteile mit unterschiedlichen Dehnungseigenschaften, welche wiederum neue Faserrisse begünstigen.
Die Schlussfolgerung lautet:
Jede Muskelverletzung muss genügend Zeit zum Ausheilen haben !
Sofort und richtig handeln
Während der Erstbehandlung wird mit Hilfe der Elemente der PECH – Regel die Blutung zum Stillstand gebracht. Dabei ist jede Minute wichtig. Die Massnahmen sollten sofort durchgeführt werden.
Je nach Schwere der Verletzung, können verschiedene Massnahmen ergriffen werden, die den natürlichen Heilungsprozess unterstützen.
Die Behandlung in den ersten Tagen kann folgende Massnahmen beinhalten:
* Einnahme von Medikamenten, die das geronnene Blut im Bluterguss verflüssigen ( Fibrinolytika )
* Einnahme von Muskelrelaxantien, die die Muskelspannung herabsetzen
* Elektrotherapie
Ab dem 4. Tag ist eine Behandlung mit Ultraschalltherapie sollte erst nach 3 Tagen eingesetzt werden.
Interferenzstrom und Ultraschall möglich. Bei der Ultraschalltherapie erzeugen Schallwellen eine mechanische Vibration. Sie haben auch eine wärmende Wirkung. Dadurch entsteht sozusagen eine „Mikromassage“ im betroffenen Gewebe. Die Ultraschalltherapie dringt bis in eine Tiefe von ca. 8 cm vor. Sie löst Verklebungen, steigert die Durchblutung und lockert die Muskulatur. So wird die Regeneration des Gewebes angeregt.
Krankengymnastik und PNF dürfen nur schmerzfrei angewandt werden.
Wenn es schmerzfrei möglich ist, sollte bei den Betroffenen sofort mit einer fachkundigen Krankengymnastik oder mit PNF begonnen werden. PNF oder propriozeptive neuromuskuläre Faszilitation ist eine Behandlung, bei der gezielt das Zusammenspiel zwischen Nerv und Muskel stimuliert wird.
Aber ACHTUNG: Während der ersten 2 bis 3 Wochen darf KEINE passive Dehnung oder Massage durchgeführt werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich Verknöcherungen in der Muskulatur bilden.
( Myositis ossificans ). Bei einer Zerrung kann eine passive Dehnung nach der 3. Woche, bei einem Muskelfaserriss ab der 6. Woche, bei einem Muskelriss ab der 8. bis 12. Woche versucht werden. Eine aktive Dehnung, sofern schmerzfrei, ist in den meisten Fällen schon eher möglich,
Bei schweren Verletzungen wird häufig operiert.
Sind mehr als ein Drittel des Muskelquerschnitts gerissen, so kann eine operative Therapie notwendig und sinnvoll sein. Bei der Operation wird ein Bluterguss entfernt und die Enden der Muskelfasern genäht. Danach erfolgt eine Ruhigstellung für ungefähr 4 Wochen. Muskeltonisierene Krankengymnastik wird direkt nach der Operation angewandt und kann und sollte auch mit einem Gipsverband durchgeführt werden.
BUCHTIP
SPORT & VITAL verweist auf das sehr interessante, für JEDEN verständliche Handbuch von Klaus Eder & Andreas Pfützner
TAPING – leicht gemacht (Grundlagen der funktionellen Verbände)
Zu bestellen über SPORT & VITAL sowie weitere Infos