Bauchspeck
ist gefährlicher als Hüftspeck. Darum haben Männer ein
höheres Risiko an Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken als Frauen.
„Beleibte Männer bekommen runde Fettbäuche. Bei
Frauen setzt sich das Fett bis zur Menopause dagegen eher an Po und
Oberschenkeln fest. Das ist weniger gefährlich für Herz und
Kreislauf“, sagt Vera Regitz-Zagrosek vom Berliner
Charité-Zentrum für Geschlechterforschung in der
Medizin.
Das
Zentrum erforscht gemeinsam mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin die
Ursachen für unterschiedliche Krankheitsverläufe bei
Männern und Frauen. „Dicke Bäuche sind gefährlicher
für die Gefäßgesundheit, weil aggressive
Stoffwechselprodukte wie freie Fettsäuren durch die Pfortader
direkt in die Leber gelangen“, erläuterte die Berliner
Professorin in einem dpa-Gespräch. Dort lösen sie zum
Beispiel Zucker- und Fettstoffwechselstörungen aus. Bei Frauen
würden die Fette aus dem Oberschenkel- oder Pogewebe dagegen
erst über die Venen und das Herz im Körper umverteilt,
bevor sie in die Leber gelangten.
Zu
früh sollten sich übergewichtige Frauen aber nicht freuen.
„Nach der Menopause reichert sich überschüssiges Fett
auch bei ihnen im Bauchraum an“, ergänzte Regitz-Zagrosek.
Damit steige – ähnlich wie bei dicken Männern –
das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Und ein hoher
Blutzucker beschleunigt die Arteriosklerose bei Frauen noch stärker
als es bei Männern der Fall ist“, berichtete die
Expertin.
Dass
dieselben Krankheiten bei Männern und Frauen unterschiedlich
auftreten, wurde in der Medizin lange Zeit unterschätzt. Einige
Erkenntnisse würden im Vergleich zu früher aber deutlich
besser vermittelt, sagte Regitz-Zagrosek. So sei vielen Ärzten
heute bekannt, dass Herzinfarkte bei Frauen mit anderen Symptomen
einhergehen als bei Männern. Statt der typischen Schmerzen vom
Herzen Richtung Oberarm leiden Frauen bei einem Infarkt eher unter
Übelkeit. Das führt dazu, dass häufig der Notarzt mit
Verzögerung gerufen wird.
Für
seine Erkenntnisse stützt sich das Charité-Zentrum für
Geschlechterforschung unter anderem Daten des Deutschen Herzzentrums
Berlin und der WHO. Beim Thema Fettsucht verheißen die Daten
nichts Gutes. Die Anzahl der zuckerkranken, schwer übergewichtigen
Patienten mit erhöhten Blutfetten sei in den vergangenen Jahren
im Herzzentrum von 20 auf 40 Prozent gestiegen, sagte
Regitz-Zagrosek. „Der Anstieg ist bei Frauen steiler als bei
Männern“, ergänzte sie.