Der
Stoff, dem Paprika, Chili & Co. ihre Schärfe verdanken,
treibt Prostatakrebs in den zellulären Selbstmord.
Auf
der Suche nach neuen Wirkstoffen, die Krebstumoren gezielt am Wuchern
hindern, sind US-Wissenschaftler fündig geworden: Sie
entdeckten, dass Capsaicin bei Prostatakrebszellen zur so genannten
Apoptose führt, dem programmierten Zelltod.
Dieser ganze
Vorgang dient gesunden Körperzellen zur natürlichen
Erneuerung: Ältere Zellen sterben ab, um frischem Zellnachwuchs
Platz zu machen. Bei Tumorzellen hingegen ist dieser Mechanismus
unterdrückt. In ihnen sind die Gene, die zum programmierten
Zelltod führen, ausgeschaltet.
Reduziertes
Tumorwachstum Der
Scharfmacher Capsaicin scheint diesen Mechanismus in Prostatatumoren
wieder in Gang zu setzen: Philip Koeffler vom Cedars-Sinai Medical
Center und Kollegen von der University of California stellten fest,
dass der Schotenextrakt das Wachstum von Prostatakrebszellen bei
Mäusen um 80 Prozent reduziert. Prostatatumoren, die die
Forscher mit Capsaicin behandelten, entwickelten sich nur zu einem
Fünftel der Größe von unbehandelten Tumoren.
Insgesamt verabreichten die Wissenschaftler den Labornagern über
die Nahrung Capsaicin-Mengen, die drei wöchentlichen Dosen von
400 mg für einen 100 Kilo Mann entsprechen. Soviel Capsaicin
steckt, je nach Schärfegrad, in drei bis acht mexikanischen
Habanera-Schoten, der schärfsten bekannten Chilisorte.
Auch
menschlichen Prostatazellen heizt der Scharfmacher ein: „Es
verlangsamte dramatisch das Wachstum menschlicher Zelllinien, die wir
in Mausmodellen gezüchtet haben“, so der
Studienleiter.
Blockierte
Schlüsselmoleküle Offenbar
beeinflusst Capsaicin das Wachstum von Prostatatumoren gleich auf
mehreren Wegen: Zum einen hindert es einen speziellen
Molekülmechanismus (NF-kappa Beta), der eine Schlüsselrolle
im Selbstmord der Zellen spielt. Darüber hinaus blockierte der
Schotenextrakt bestimmte Rezeptoren, die spezielle Wachstumsgene
steuern, was den Wildwuchs der Krebszellen zusätzlich
eindämmt.
Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichten
die Wissenschaftler im Fachmagazin „Cancer Research“.