Abbauprodukte
der Aminosäure Tryptophan können die Symptome von
Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose lindern. Das beweisen
Tierexperimente von Michael Platten und seinen Kollegen von der
Universität in Stanford (USA).
Als wirksam erwiesen sich
dabei sowohl natürliche als auch synthetische Abkömmlinge
dieser Aminosäure. Sie unterdrückten die Bildung bestimmter
Immunzellen, die bei Multipler Sklerose (MS) eine wichtige Rolle
spielen. Die Wissenschaftler berichten von ihren
Forschungsergebnissen in der Fachzeitschrift „Science“
(Band 310, Seite 850). Bei MS kommt es durch lokale Entzündungen
zu einer Zerstörung der so genannten Markscheiden, die wie eine
elektrische Isolierschicht einzelne Nervenfasern umhüllen. In
der Folge können Nervenimpulse nicht mehr richtig weitergeleitet
werden. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, treten
unterschiedliche Symptome auf wie Seh- und Sprachprobleme,
Empfindungsstörungen oder eine Beeinträchtigung des
Gehvermögens. Die genaue Ursache der Krankheit ist noch nicht
geklärt.
Eine zentrale Bedeutung kommt aber dem
Immunsystem zu, das aufgrund einer Fehlsteuerung zur Entstehung
dieser Entzündungen im Nervensystem beiträgt. Dabei spielen
bestimmte Immunzellen eine wichtige Rolle. Platten und seinen
Kollegen gelang es nun, bei Mäusen mit einer bestimmten Form von
MS die Vermehrung und Aktivierung dieser Zellen zu hemmen. Dazu
verwendeten sie vier natürliche Abbauprodukte von Tryptophan und
einen synthetischen Abkömmling dieser Aminosäure.
Mit
allen fünf Substanzen konnten die Wissenschaftler gleichermaßen
die Krankheitssymptome bei den Mäusen lindern. Natürliche
oder künstliche Abkömmlinge von Tryptophan könnten
daher möglicherweise in Zukunft zur medikamentösen Therapie
von Menschen mit MS oder anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt
werden, hoffen die Forscher.