Folsäuresupplementierung
in Mehl – Chance zur Verminderung von Fehlbildungen bei
Neugeborenen
aid;
Ute Hoffmann. –
Angeborene
Fehlbildungen des Neuralrohrs oder des Herzens sind die häufigste
Todesursache bei Säuglingen. Meistens sind sie die Folge einer
Folsäureunterversorgung
der Frauen während der Schwangerschaft. Die so genannten
Neuralrohrdefekte sind vor allem als „offener Rücken“,
„Wasserkopf“ sowie Lippen- und Kieferfehlbildungen
bekannt. Da das Neuralrohr sich bereits in den ersten 22 bis 28 Tagen
der Schwangerschaft bildet, entstehen
derartige Fehlbildungen zu einer Zeit, in der die meisten
Schwangerschaften noch unbemerkt sind. Der Beginn der
Folsäuresubstitution in Form von Tabletten zur Verhütung
von Neuralrohrdefekten ist daher oftmals zu spät.
Folsäure
liegt unter natürlichen Umständen nur in sehr geringen
Mengen in Lebensmitteln vor und die Zufuhrempfehlungen von täglich
400 µg bzw. 800 µg für Schwangere ist über die
Ernährung allein nur schwer zu erreichen. Deshalb raten Ärzte
und Ernährungswissenschaftler dringend allen Frauen bereits vor
Beginn einer möglichen Schwangerschaft trotz ausgewogener
Ernährung Folsäure in Form von Tabletten zu ergänzen.
Nach Aussagen des Instituts für medizinische
Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE), München
sind jedoch nur 5 Prozent der Frauen in Deutschland in den
entscheidenden ersten Tagen der Schwangerschaft zufrieden stellend
mit Folsäure versorgt. Eine flächendeckende Chance zur
Prävention der Fehlbildungen kann nach Ansicht der
Wissenschaftler in Zukunft die Anreicherung von Grundnahrungsmitteln
sein. Die Gefahr einer Überdosierung ist entgegen aller Skepsis
bislang unbegründet, da unerwünschte Wirkungen selbst bei
hohen Dosen nicht beobachtet worden sind. "Die Anreicherung von
Mehl verbessert bevölkerungsweit die Folsäureversorgung und
führt damit zu einer erheblichen Verringerung von
Neuralrohrdefekten Neugeborener", folgert Prof. Dr. med. Jörg
Hasford vom IBE. Länder, wie beispielsweise die USA, Kanada,
Ungarn und Chile haben es vorgemacht. Tatsächlich ist es dort
gelungen die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten seit der
Einführung von folsäureangereichertem Mehl um bis zu 60
Prozent zu senken.
Wenn
die Folsäure-Versorgung in Deutschland weiterhin schlecht
bleibt, stellt der Weg der Anreicherung von Lebensmitteln auch für
Deutschland eine Alternative dar, um im Sinne der Neugeborenen für
einen größeren Teil der Frauen frühzeitig eine
ausreichende Versorgung mit Folsäure zu gewährleisten.