Andere
Länder machen es vor. Durch Anreicherung von Mehl mit Folsäure
ging die Zahl der Neuralrohrdefekte Neugeborener zurück. Doch
wieviel Folat
darf es sein? Eine Gratwanderung.
Etwa
drei von 2000 Kindern kommen mit einem Neuralrohrdefekt (NRD) zur
Welt, so das Resultat einer Mainzer Erhebung. Wesentliche Ursache ist
Folatmangel in der frühen Embryonalentwicklung. Doch sind nur 13
Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter ausreichend mit
diesem B-Vitamin versorgt. Nicht einmal jede zehnte folgt der
Empfehlung, vor einer Empfängnis und in den ersten drei Monaten
der Schwangerschaft täglich 400 Mikrogramm Folsäure als
Ergänzung einzunehmen.
Sollte
Deutschland also dem Beispiel anderer Länder folgen und zum
Ausgleich Mehl generell mit Folat anreichern – nach dem Motto
„fluoridhaltiges Jodsalz aufs Frühstücksei für
kariesfreie Zähne, Brot, Brötchen und Croissants für
gesunde Kinder“? Der Erfolg in den USA und in Kanada spricht
dafür. Nachdem dort pro 100 Gramm Mehl 140 Mikrogramm Folsäure
zugesetzt werden, ging die NRD-Rate um bis über die Hälfte
zurück.
Andererseits:
Zu viel synthetische Folsäure – der empfohlene Grenzwert
liegt bei täglich 1000 Mikrogramm – kann einen
Vitamin-B12-Mangel verbergen. Und angesichts der Tatsache,
dass bereits jetzt viele Zerealien, Milchprodukte und
Erfrischungsgetränke teils stark mit Folsäure versetzt
werden, können 1000 Mikrogramm rasch erreicht werden, wenn das
Mehl zu viel davon enthält.
Kinder
gesund, B12-Mangel verschleiert?
Die
Ökotrophologin Dr. Martina Burger vom Berliner
Robert-Koch-Institut und Mitarbeiter haben deshalb errechnet, wie
viel Folsäure im Mehl sinnvoll wäre. Sie kommen auf 150
Milligramm pro 100 Gramm. So würden 95 Prozent der Männer
und 90 Prozent der Frauen die empfohlenen 400 mg täglich
erreichen. Gebärfähige Frauen müssten sich trotzdem
weiter an angereicherte Nahrungsmittel halten, um auf die für
sie empfohlenen 1200 bis 1400 Milligramm zu kommen. Und was ist mit
der Gefahr, einen Vitamin-B12-Mangel zu verschleiern? Dr.
Burger und ihre Koautoren halten es für erwägenswert, auch
diese Substanz ins Mehl zu packen, damit ein Defizit gar nicht erst
auftritt.
MTD,
Ausgabe 48 a/2004 Seite 3, uka – Martina Burger et al.,
Ernährungs-Umschau 2004; 51: 318 bis 324!
Anmerkung
der GfE:
Es ist begrüßenswert, dass langsam aber sicher führende
Forschungsinstitute die Vorteile einer Nährstoffanreicherung zur
Vorbeugung von Defiziten und Krankheiten empfehlen. Dies entspricht
der Leitlinie der GfE