Der
Risikomineralstoff für Frauen: Nahrungseisen Ob
Ausdauer- oder Krafttraining, Walking oder Jogging, Fitnesssport oder
Ballsportarten – die Zahl der sportlich aktiven Frauen nimmt
ständig zu. Eine zweifelsfrei positive Entwicklung. Doch mit der
vermehrten sportlichen Aktivität erhöht sich auch das
Risiko eines Nährstoffdefizits. Auch wenn sportlich aktive
Frauen qualitativ die gleichen Nährstoffe benötigen wie
Männer, quantitativ, also mengenmäßig, gibt es jedoch
große Unterschiede. Dabei kann die Menge, die von sportlich
aktiven Frauen benötigt wird, höher sein, wie im Falle des
Nahrungseisens, oder auch niedriger, wie im Falle der
Nahrungskalorien. Um das Wunschgewicht zu halten und gleichzeitig
einen Nährstoffmangel zu vermeiden, müssen sportlich aktive
Frauen mit einer geringeren Nahrungsaufnahme mehr wertgebende
Inhaltsstoffe aufnehmen als Männer.
Dieses
ist möglich, wenn die Nährstoffdichte der Lebensmittel,
also der Nährstoffgehalt pro Kalorie hoch ist. Für das
Nahrungseisen ist es jedoch sehr schwierig, eine ausgeglichene
Nährstoffzufuhr zu erreichen. Die Folge: Jede dritte Sportlerin
nimmt nicht die empfohlene Zufuhrmenge an Nahrungseisen auf.
Zahlreiche aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass es
für Sportlerinnen mit einer üblichen Speisen- und
Getränkeauswahl sehr schwer möglich ist, die empfohlene
tägliche Zufuhrmenge von Eisen zu erreichen.
Warum
brauchen wir Eisen? Eisen
ist am Aufbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und des
Muskelfarbstoffs Myoglobin beteiligt. Es ist Baustein zahlreicher
Enzyme, die durch Sport vermehrt benötigt werden. Eisen
verbindet sich mit Sauerstoff und transportiert ihn zu den
Körperzellen. Mit Hilfe dieses Sauerstoffes kann der Körper
dann aus den mit den Lebensmitteln aufgenommenen Kohlenhydraten,
Fetten und Eiweiß Energie gewinnen. Im Körper befinden
sich circa 5 Gramm Eisen. Davon sind rund 75 Prozent in Form von
Hämoglobin mit den roten Blutkörperchen verbunden.
25
Billionen rote Blutkörperchen transportieren bei einer sportlich
aktiven Frau den in der Lunge aufgenommenen Sauerstoff über die
Arterien zu allen Organen und Zellen des Körpers. Der für
die Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen lebensnotwendige
Sauerstoff ist im Blut an das eisenhaltige Hämoglobin
gebunden.
Etwa
20 Prozent liegen in den Körperdepots vor, in der Speicherform
Ferritin. Ein Eisenmangel führt unweigerlich zu
Leistungseinbußen, denn Energieumsatz und Sauerstofftransport
hängen direkt mit dem Eisengehalt im Blut zusammen. Folgen eines
Eisenmangels können Schwäche, Müdigkeit, Blässe,
Kurzatmigkeit bei Anstrengungen, Herzklopfen oder verminderte
Erholungsfähigkeit des Herz-Kreislauf- Systems sein. Ein Merkmal
eines Eisenmangels ist ein erschöpfter Eisenspeicher, der so
genannte Ferritinspiegel ist dann zu niedrig.
Schweiß:
Wasser und Mineralstoffe Ein
Produkt ist bei jeder sportlichen Aktivität dabei: Der Schweiß.
Bei mittlerer Sportintensität verliert der Körper etwas 0,5
bis 1,0 Liter Schweiß pro Stunde. Bei intensiven Belastungen
oder beim Sport in der Hitze können mehr als drei Liter Schweiß
pro Stunde ausgeschieden werden. Und mit jedem Tropfen Schweiß
verliert der Körper wichtige Mineralstoffe.
Neben
Magnesium, Calcium und Natrium enthält der Schweiß auch
wertvolles Nahrungseisen. Ein Liter Schweiß entzieht dem Körper
0,5 bis 1,0 Milligramm (Milligramm) Eisen. Damit geht bereits ein
nennenswerter Teil des mit der Nahrung aufgenommenen Eisens über
den Schweiß wieder unmittelbar verloren.
Ein
weiterer Grund für den oft unbemerkten Eisenmangel bei sportlich
aktiven Frauen ist der monatliche Blutverlust (Menstruation), der
immer auch mit einem zusätzlichen Eisenverlust verbunden
ist.
Sportgetränke
enthalten kein Nahrungseisen Den
handelsüblichen isotonischen Sportgetränken dürfen
entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen keine Spurenelemente
Spurenelemente wie Eisen zugesetzt werden. Auch die meisten
Mineralwässer enthalten kaum Eisen. Eisen wird aus natürlichen
Mineralwässern aus optischen und geschmacklichen Gründen
entfernt. Dieses wird auf den Etiketten mit dem Begriff „enteisent“
angegeben.
Somit
können geeignete Sportgetränke und Mineralwässer zwar
helfen, den erhöhten Bedarf an Wasser auszugleichen, und bei
einer entsprechenden Auswahl auch die wichtigen Mineralstoffe Calcium
oder Magnesium liefern. Diese Getränke können jedoch nicht
helfen, den erhöhten Eisenbedarf kompensieren: Die Eisenverluste
über den Schweiß müssen über eine entsprechende
Lebensmittelauswahl und Speisenzubereitung ausgeglichen werden.
Frauen
sind anspruchsvoller – Empfehlungen für die
Eisenzufuhr Das
Eisen, das wir mit der Nahrung aufnehmen, wird unterschieden in zwei-
und dreiwertiges Eisen. Ersteres ist beispielsweise gebunden an das
Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff. Das zweiwertige findet sich
besonders in Fleisch, Wurst und Fisch. Alle anderen Eisenverbindungen
in Lebensmitteln sind dreiwertig. Dreiwertiges Eisen wird deutlich
schlechter als das zweiwertige Eisen vom Körper
aufgenommen.
Grundsätzlich
gilt, dass nur zehn bis zwanzig Prozent des in den Lebensmitteln
enthaltenen Eisens vom Körper verwertet werden können.
Eisenhaltige
Lebensmittel – hohe Verwertbarkeit des Eisens (zweiwertiges
Eisen)
1.
Fleisch;
2.
Geflügel;
3.
Wild;
4.
spezielle
Eisenverbindungen wie Eisen(II)-gluconat.
Mittlere
bis geringe Verwertbarkeit des Eisens (dreiwertiges Eisen)
1.
Getreide
(Cerealien, Brot, Reis, Nudeln);
2.
Hülsenfrüchte
(Bohnen, Erbsen, Linsen);
3.
Nüsse;
4.
Trockenfrüchte;
5.
dunkelgrünes
Blattgemüse.
Bei
einem ausgeprägten Mangel kann die Aufnahmequote auf 30 bis 40
Prozent ansteigen. Die Zufuhrempfehlung an Nahrungseisen der
Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) beträgt
10 Milligramm pro Tag für Männer und 15 Milligramm pro Tag
für Frauen. Bei einer Resorptionsquote von 15 bis 20 Prozent
bedeutet das, dass dem Körper hiervon 2 bis 3 Milligramm zur
Verfügung stehen. Mit einem Liter Schweiß werden aber 0,5
bis 1,0 Milligramm Eisen ausgeschieden.
Bei
Schweißverlusten von 2 Litern, ganz gleich, ob durch Sport oder
Sauna, gehen somit sehr oft mehr als 40 Prozent des aufgenommenen
Nahrungseisens direkt mit dem Schweiß verloren. Die
Verwertbarkeit des dreiwertigen Nahrungseisens aus pflanzlichen
Lebensmitteln lässt sich durch Vitamin-C-reiche Vorspeisen oder
Getränke verbessern. Empfehlenswert ist es deshalb, zu einer
vegetarischen eisenhaltigen Hauptmahlzeit als Vorspeise einen
frischen Rohkostsalat und/oder als Dessert einen Obstsalat zu essen.
Vermieden werden sollte jedoch in zeitlicher Nähe zu einer
eisenhaltigen Mahlzeit das Trinken von schwarzem Tee, Grüntee
und Kaffee. Die enthaltene Gerbsäure verringert die
Eisenverwertung um bis zu 50 Prozent.
Die
natürliche „Ernährungsversicherung“ Nicht
nur, aber auch im Rahmen der Fitness- und Sportler-Ernährung ist
es sinnvoll, in der Speisenplangestaltung weniger Fleisch und Wurst
zu berücksichtigen. Doch leider wird mit einer verringerten
Aufnahme von Fleisch und Wurst auch die Eisenzufuhr verringert und
das Risiko eines Eisendefizits erhöht. Eine bewährte
Möglichkeit, die Eisenzufuhr zu optimieren, sind
Nahrungsergänzungen mit dem zweiwertigen Nahrungseisen
(Eisen(II)-gluconat). Dieser Wirkstoff wird besonders gut vom Körper
aufgenommen.
Die
Eisenresorption wird gehemmt durch:
1.
Gerbsäure,
z.B. in Tee, Kaffee;
2.
Phosphate,
z.B. in Eigelb, Cola;
3.
Phytinsäure,
Kleie, z.B. in Vollkornprodukten;
4.
anorganische
Substanzen wie Calcium.
Praktische
Tipps
1.
Versuchen
Sie Lebensmittel mit gut resorbierbarem Eisen drei- bis viermal
wöchentlich in Ihren Speiseplan einzubinden, z.B. Geflügel,
Wild.
2.
Als
Vegetarierin sollten Sie darauf achten, pflanzliche Nahrungsmittel
mit einem hohen Eisengehalt zu essen, z.B. grünes Blattgemüse
und Hirse.
3.
Kombinieren
Sie pflanzliche Eisenlieferanten mit Vitamin C.
4.
Vermeiden
Sie zu den Mahlzeiten Lebensmittel und Getränke, die die
Eisenresorption hemmen.
5.
Ergänzen
Sie als Vegetarierin Ihre Ernährung mit Nahrungsergänzungen.
6.
Meiden
Sie Diäten, die wichtige Lebensmittelgruppen wie Wild und
Geflügel ausschließen; oft geschieht das auf Kosten des
Eisenhaushaltes.
Erprobte
Fitness-Rezepte – mit viel Eisen, aber ganz ohne
Fleisch
Eisenreicher
Gemüse-Eintopf * (Für
vier Personen – Nährwerte pro Portion: 270 kcal (1.130
kJ), 10 Gramm Eiweiß, 32 Gramm Kohlenhydrate, 11 Gramm Fett, 5
Milligramm Eisen)
Kartoffeln
schälen, in 2 Zentimeter große Stücke schneiden und
bissfest kochen. Olivenöl erhitzen und abgezogene, in 1
Zentimeter große Stücke geschnittene Tomaten zusammen mit
Lauch und Zwiebelscheiben, Thymian, Lorbeer und Salbei etwa 5 Minuten
im Öl anschwitzen. In feine Streifen geschnittene Orangenschale,
Safran, Hirse, Wasser und Gemüsebrühe dazu geben und alles
zum Kochen bringen. Etwa 10 Minuten köcheln lassen. Dann
Kartoffeln, Brokkoli, Paprikawürfel und Salz unterheben und
weitere 10 Minuten garen. Mit frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken
und mit Sesam bestreuen.
Bratlinge
aus Bulgur und Kichererbsen* (Für
vier Personen – Nährwerte pro Portion: 370 kcal (1.550
kJ), 20 Gramm Eiweiß, 60 Gramm Kohlenhydrate, 5 Gramm Fett, 5
Milligramm Eisen)
Kichererbsen
über Nacht einweichen. Abgießen und mit ca. 2 Litern
Wasser zum Kochen bringen. Kichererbsen etwa 1 Stunde köcheln
lassen. Bulgur in warmen Wasser ca. 30 Minuten einweichen, abtropfen
lassen. Kichererbsen gut abtropfen lassen und mit Sesam in der
Küchenmaschine pürieren. In einer Schüssel mit Bulgur,
Joghurt, gewürfelter Zwiebel, zerriebener Knoblauchzehe und
allen übrigen Zutaten gut vermischen. 8 Bratlinge formen und 1
Stunde kühl stellen. Ofen auf 200 °C vorheizen. Die
Bratlinge auf dem Backblech etwa 8 Minuten im Ofen garen.
*
Quelle: „Praxishandbuch für die Sporternährung –
Essen, Trinken, Gewinnen“